
Schokolade kommt in Form
Wie der Weihnachtsmann in Form kommt
Wer hat sich wohl noch nie gefragt, warum der Weihnachtsmann von innen hohl ist? Dabei ist die Erklärung ganz einfach: Die auszuformende Hohlfigur besteht aus zwei Halbschalen. In die eine dieser Schalen wird die gewünschte Menge Schokolade hineingegossen. Sodann wird sie mit ihrem Gegenstück verschlossen. Durch gleichmäßiges Drehen verteilt sich die flüssige Schokoladenmasse an den Innenwänden der Form. Es wird solange gedreht, bis die Schokoladenmasse erstarrt ist. Danach wird die Form in einen Kühlschrank gelegt, wo die die Schokoladennmasse erhärtet. Der fertige Weihnachtsmann kann nun vorsichtig aus der Form genommen werden und wartet darauf, entweder mit durchsichtigem Zellophan verpackt oder buntem Stanniol bekleidet zu werden. Die industrielle Fertigung von Hohlfiguren läuft im Prinzip ähnlich ab. Hier werden Kunststoff-Halbschalen maschinell mit flüssiger Schokolade gefüllt. Im Schleudergußverfahren werden sie solange gedreht und gewendet, bis sich die Schokolade an den Innenwänden der Schalen verteilt hat und erstarrt. Nach der Kühlung nimmt man die Hohlfiguren aus den Formen. Nach genauer Kontrolle wandern sie direkt zu den Verpackungsmaschinen und erhalten ihr farbenfrohes Stanniolkleid. Früher standen an den Bändern in den Schokoladenfabriken hunderte von Mitarbeiterinnen, die Hohlfiguren in allen Formen manuell einwickelten. Heute schafft das in kürzester Zeit eine einzige moderne Anlage. Denn wie jedes Jahr wollen wieder über 160 Millionen Ebenbilder des legendären Weihnachtsmannes von den Bändern der Schokoladenfabriken rollen, um jung und alt ein schöne Weihnachtszeit zu bescheren.
Trends und Entwicklungen
In der Rückschau gibt es einige Trends zu beobachten: In der klassischen Phase der Hohlfigurenherstellung (1880-1910) wurde jedes Motiv realistisch und maßstäblich getreu gestaltet. Die Figuren wurden damals nicht stanioliert -das kam erst in der Zeit nach 1945 auf- so dass der Ausformung der Oberflächen kaum Grenzen gesetzt waren. Die Hersteller zeigten sich experimentierfreudig, und ohne die Vorgaben einer ökonomisch vertretbaren Massenproduktion wurden sogar so genannte Doppel-und Mehrfachformen entwickelt, bei denen die Figuren des Ensembles einzeln ausgegossen und später zusamengesetzt wurden. Diese Formen wurden von Hand ausgegossen, was ein außerordentliches Geschick -besonders bei großen, mehrteiligen Formen- voraussetzte. Entsprechend hoch war das Bruchrisiko beim Abnehmen der Formschalen. Zwischen 1910 und 1930 stellen sich Vereinfachungen in der Gestaltung der Motive ein. Die alten Motive wurden weitestgehend beibehalten, jedoch einfacher und rundlicher gestaltet. Auf der einen Seite wurde bei den Rundungen das Formengut des Jugendstil reflektiert, auf der anderen Seite aber auch das Bruchrisiko gesenkt. Besonders aufwändig gestaltete Figuren wurden teilweise in Stoff gekleidet, bevor sie ihren Weg zum Verbraucher antraten. Parallel zu dieser Entwicklung wuchsen auch die Formate der Figuren. In diese Zeit fällt auch die Entwicklung der motorgetriebenen Sternschleuder, die erstmals um 1920 eingesetzt wurde und auf der eine größere Anzahl bereits gefüllter Formen bis zum Erstarren der Schokoladenmasse gleichmäßig bewegt werden konnten. Im Umfeld dieser fortschreitenden Technisierung entwickelten sich auch neue Formentypen: Die Vielfachformen oder Multiples. Bei den ersten dieser Multiples wurden zumeist drei Formen in einen Rahmen gelötet und an den äußersten Punkten ihrer Oberfläche mit einem Metallband versehen, um sie gegen Beschädigungen, die in der maschinellen Schleuder immer wieder auftreten konnten, zu schützen. Oft wurden diese Formen in geklammertem Zustand vom Boden her befüllt. Der Boden wurden dann durch eine einschiebbare Bodenplatte geschlossen. Auch hier war der Rahmen zweiteilig, hatte an einer Seite ein Scharniergelenk und wurde an der gegenüberliegenden Seite geklammert. Um die Produktionsmenge zu steigern, wurden sogenannte Buchformen entwickelt, überdimensionierte Metallrahmen, in die ein Dutzend und mehr geschlossene Formen eingelötet waren. Sie trieben die Massenproduktion von kleineren Hohlfiguren deutlich voran. Zwischen 1930 und 1950 wurden bei den Formmotiven verstärkt Stereotypen entwickelt, das Oberflächenrelief trat immer mehr zurück. Nach 1950 traten Handwerk und Industrie deutlich auseinander. Während das Handwerk -namentlich in den Beneluxstaaten- bis auf den heutigen Tag die klassische Tradition der unstaniolierten Hohlfiguren mit aufwändig gestalteten Oberflächen aufrecht erhält, verzichten die meisten Hersteller auf Oberflächenrelief und Extremitäten, die aus dem kompakten Figurenkörper herausragen. Ersetzt werden diese haptischen Reize durch buntes Stanniolpapier, das mit Bürsten maschinell an die Figur gepresst wird. Wie bei allen Hohlfigurenformen gibt es auch im Gefolge des Weihnachtsmannes Gags wie etwa "Nikola", die süße Weihnachtsfrau und ihr knackiges Pendant „Niklas“. Größter Beliebtheit erfreut sich jedoch nach wie vor der klassische Weihnachtsmann, und wenn es hier einen Trend zu beobachten gibt, dann den, dass die Figuren auf dem Stanniolpapier immer stärken jenen liebevoll-filigran gestalteten ähneln, die bereits in den zwanziger Jahren des 20.Jh auf dem Markt verfügbar waren.